Ein altes Dach muss nicht immer komplett neu gedeckt werden. Viele Hausbesitzer in Österreich und Deutschland entdecken zunehmend die Vorteile einer Dachbeschichtung. Sie verändert nicht nur das Aussehen des Daches, sondern schützt es auch vor Witterung, verlängert seine Lebensdauer und spart Geld - oft bis zu 70 % im Vergleich zu einer Neudeckung. Doch was genau unterscheidet eine echte Dachbeschichtung von einfachem Anstrich oder Imprägnierung? Und welche Materialien halten wirklich lang? Hier erfahren Sie, was wirklich zählt.
Was ist eigentlich eine Dachbeschichtung?
Viele verwechseln Dachbeschichtung mit Dachversiegelung oder Dachimprägnierung. Das ist ein großer Fehler. Eine Dachversiegelung ist nur eine dünne, klare Schicht, die Wasser abweist, aber die Farbe des Daches nicht verändert. Sie hält meist nur 5-8 Jahre. Eine Dachimprägnierung dringt in die Poren der Ziegel ein, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen, aber sie verändert die Oberfläche nicht. Sie ist nach 3-5 Jahren wieder weg.
Echte Dachbeschichtung dagegen ist eine dichtere, farbige Schicht mit mindestens 0,5 mm Dicke. Sie bildet eine geschlossene, elastische Hülle über dem Dach. Das bedeutet: Sie deckt Risse ab, verhindert Lecks und kann sogar die Farbe komplett verändern - von grau zu rot, von braun zu weiß. Sie ist kein Anstrich wie an der Hauswand, sondern eine echte Schutzschicht, die das Dach wie einen Schutzanzug umhüllt.
Warum lohnt sich eine Dachbeschichtung?
Die Zahlen sprechen für sich: Laut einer Umfrage von DWZ-Shop haben 23 % der deutschen Hausbesitzer in den letzten fünf Jahren ihr Dach beschichtet. Der durchschnittliche Preis für ein Einfamilienhaus mit 150 m² Dachfläche liegt bei 3.500 €. Das klingt viel - aber im Vergleich zu einer Neudeckung, die 10.000 € und mehr kostet, ist das eine riesige Ersparnis.
Doch es geht nicht nur um Geld. Eine gute Beschichtung verlängert die Lebensdauer Ihres Daches um 10-15 Jahre. Das ist besonders wichtig, wenn Ihr Dach zwar alt aussieht, aber die Unterspannfolie und die Dachlatten noch in Ordnung sind. Eine Beschichtung rettet das Dach, ohne dass Sie die ganze Konstruktion aushauen müssen.
Und dann ist da noch der optische Effekt. Ein graues, verwittertes Dach macht ein Haus trist aus. Eine frische, gleichmäßige Farbe hebt den gesamten Eindruck des Hauses. Besonders beliebt sind heute weiße oder helle Beschichtungen - nicht nur weil sie gut aussehen, sondern weil sie Sonnenwärme reflektieren.
Acryl vs. Silikon: Was ist besser?
Nicht alle Beschichtungen sind gleich. Die zwei Haupttypen sind Acryl und Silikon. Beide haben Vor- und Nachteile.
Acrylbeschichtungen sind wasserlöslich, geruchsarm und einfach zu verarbeiten. Sie eignen sich gut für Heimwerker. Die Schichtdicke liegt bei 0,3-0,5 mm, die Haltbarkeit bei 8-12 Jahren. Sie sind atmungsaktiv, was wichtig ist, damit Feuchtigkeit aus dem Dach entweichen kann. Aber: Sie verblasen leichter unter starker Sonneneinstrahlung. Ein Nutzer auf Reddit berichtet: „Nach zwei Jahren ist die Farbe etwas blass geworden.“
Silikonbeschichtungen dagegen sind elastischer. Sie dehnen sich bis zu 300 % aus - das ist fast doppelt so viel wie bei herkömmlichen Silikonen. Das bedeutet: Sie bewegen sich mit dem Dach mit, ohne zu reißen, selbst wenn es sich durch Temperaturschwankungen ausdehnt oder zusammenzieht. Sie halten 12-15 Jahre, manche Premium-Produkte wie HPS Ultra® sogar bis zu 40 Jahre. Sie sind UV-beständiger, widerstehen Frost bis -40 °C und reflektieren bis zu 85 % der Sonnenstrahlung. Das kann im Sommer bis zu 20 % Kühlkosten sparen.
Aber: Silikonbeschichtungen sind schwerer zu verarbeiten. Sie brauchen Atemschutz, weil sie stark riechen. Und sie brauchen spezielle Reiniger - reines Benzin - um Werkzeuge zu säubern. Für Laien ist das riskant. Die meisten Profis empfehlen daher Silikon nur mit Fachmann.
Die richtige Vorbereitung ist alles
Ein Fehler, den viele machen: Sie denken, die Beschichtung macht alles. Falsch. 70 % des Erfolgs liegen in der Vorbereitung. Das sagt Dr. Thomas Schmitt vom Deutschen Dachdeckerhandwerk. Wenn die Oberfläche nicht sauber ist, haftet die Beschichtung nicht. Punkt.
Was muss passieren?
- Reinigung: Alles Grün, Moos, Algen, Schmutz - alles muss weg. Mit Hochdruckreiniger, aber nicht zu stark, sonst beschädigen Sie die Ziegel.
- Prüfung: Risse, lockere Ziegel, undichte Stellen - die müssen repariert werden, bevor die Beschichtung kommt.
- Grundierung: Bei Acryl oft nicht nötig. Bei älteren Silikonbeschichtungen oder bestimmten Materialien aber unbedingt erforderlich. Nur Alkoxy-basierte Silikone wie Enduris haften ohne Grundierung - das ist ein großer Vorteil.
- Trocknung: Der Untergrund muss trocken sein - Feuchtigkeit unter 5 %. Sonst bildet sich später Blasen.
Ein Fall aus Hausfreunde.de: Ein Hausbesitzer hat gespart und die Reinigung übersprungen. Nach 18 Monaten hat die Beschichtung abgeblättert. Die Reparatur kostete 1.200 € - mehr als eine neue Beschichtung.
Kosten: Was kostet was?
Die Preise variieren je nach Material und Aufwand:
| Typ | Schichtdicke | Haltbarkeit | Kosten pro m² | Empfohlen für |
|---|---|---|---|---|
| Acryl | 0,3-0,5 mm | 8-12 Jahre | 18-25 € | Heimwerker, moderate Belastung |
| Silikon (Standard) | 0,5-0,8 mm | 12-15 Jahre | 28-35 € | Professionell, hohe Ansprüche |
| Silikon (Alkoxy, z.B. Enduris) | 0,5-0,7 mm | 15-20 Jahre | 30-38 € | Altdächer, komplexe Formen |
| HPS Ultra® | 200 µm | bis zu 40 Jahre | 40-45 € | Langlebigkeit, Gewerbe |
| Dachimprägnierung | nur eindringend | 3-5 Jahre | 8-12 € | Nur als Zwischenlösung |
Wichtig: Billige Angebote unter 15 €/m² sind oft betrügerisch. Die Schichtdicke liegt dann unter 0,3 mm - und die Beschichtung hält nicht länger als drei Jahre. Prof. Dr. Anja Weber von der TU München warnt: „Minderwertige Produkte versagen nachweislich innerhalb von drei Jahren.“
Was sagt die Praxis?
Die Erfahrungen von Nutzern sind gemischt. Auf Trustpilot hat die durchschnittliche Dachbeschichtung 4,1 von 5 Sternen. Die meisten loben die optische Aufwertung (87 %) und die Reduzierung von Pfützen auf Flachdächern (76 %). Aber die häufigsten Probleme sind:
- Geruch bei Silikon (63 % der negativen Bewertungen)
- Abblätterung durch falsche Vorbereitung (58 %)
- Verblasen bei starker Sonne (bei Acryl)
Professionell durchgeführte Arbeiten erreichen eine Zufriedenheitsrate von 89 %. Selbstversuche kommen nur auf 67 %. Das zeigt: Wer nicht sicher ist, sollte einen Fachmann holen. Die Arbeit ist nicht schwer - aber die Folgen eines Fehlers sind teuer.
Auf was achten bei der Auswahl?
Wenn Sie sich für eine Beschichtung entscheiden, fragen Sie sich:
- Wie alt ist mein Dach? Bei sehr alten Dächern mit vielen Rissen ist Silikon die bessere Wahl.
- Wie ist das Dach geneigt? Flachdächer brauchen elastische, reflektierende Beschichtungen, um Wasser abzuleiten und Hitze zu reduzieren.
- Wo lebe ich? In Wien, mit kalten Wintern und heißen Sommern, brauchen Sie Frost- und UV-Beständigkeit. Weiße Beschichtungen mit +85 % Reflektion sind ideal.
- Will ich selbst machen? Dann wählen Sie Acryl. Es ist wasserlöslich, riecht nicht und lässt sich mit Rolle oder Spritzpistole auftragen.
- Will ich langfristig sparen? Dann investieren Sie in Silikon. Die höheren Anfangskosten amortisieren sich über 15-20 Jahre.
Die Zukunft der Dachbeschichtung
Die Branche entwickelt sich schnell. Bis 2025 wird sich die Nachfrage nach reflektierenden, weißen Beschichtungen um 12 % pro Jahr erhöhen - nicht nur aus Ästhetik, sondern wegen der Energieeinsparung. Neue Technologien wie selbstreinigende Oberflächen (lotusartig) oder Beschichtungen mit integrierter Solarfunktion sind bereits in Pilotprojekten getestet. Sie erhöhen die Effizienz von Solaranlagen um bis zu 8 %.
Auch die Umwelt wird wichtiger. Silikon ist schwer recycelbar, Acryl eher nicht. Deshalb entwickeln Hersteller lösemittelfreie, biologisch abbaubare Systeme. Die DIN-Norm 18516-1 ab 2024 wird strengere Anforderungen an Elastizität und UV-Beständigkeit stellen. Wer jetzt investiert, investiert in die Zukunft.
Dachbeschichtung ist kein kurzfristiger Schönheitsreparatur. Sie ist eine echte Sanierungsmaßnahme - mit klaren Vorteilen, wenn sie richtig gemacht wird. Wer sich informiert, die richtige Technik wählt und die Vorbereitung nicht vernachlässigt, bekommt ein neues, langlebiges und schönes Dach - ohne den ganzen Dachstuhl zu ersetzen.
NURUS MUFIDAH
Februar 11, 2026 AT 13:47Was ich besonders spannend finde: Die Unterscheidung zwischen Beschichtung und Imprägnierung. Viele verwechseln das, weil die Werbung das verschwimmen lässt. Aber genau das ist der Knackpunkt - eine echte Beschichtung ist eine strukturierte Barriereschicht, nicht nur eine Oberflächenbehandlung. Und ja, die 0,5 mm Dicke ist kein Zufall - das ist die Untergrenze, ab der die elastischen Eigenschaften wirklich wirken. Acryl ist für Heimwerker okay, aber bei Dächern mit historischer Substanz oder hohen thermischen Belastungen? Da muss Silikon her. Ich hab’s selbst gemacht - und nein, es war nicht leicht. Aber die Ergebnisse nach 10 Jahren? Noch immer perfekt. Kein Riss, kein Blättern, keine Verfärbung.
Wichtig: Die Grundierung nicht ignorieren. Selbst wenn der Hersteller sagt, es sei optional. Ich hab mal einen Auftrag abgelehnt, weil der Kunde das nicht machen wollte. Hatte recht - zwei Jahre später war alles abgeplatzt. Warum? Weil die Ziegel noch Algenrückstände hatten. Das ist kein Manko der Beschichtung - das ist menschliche Faulheit.