Familienkasse und staatliche Leistungen: So nutzen Bauherren Hilfen für Wohneigentum

Wenn du als Familie ein Haus bauen oder kaufen willst, bist du nicht allein. Tausende Eltern in Deutschland nutzen staatliche Hilfen, um ihren Traum vom eigenen Zuhause wahrzumachen. Doch die Regeln haben sich geändert. Was früher Baukindergeld hieß, gibt es seit Juni 2023 nicht mehr. Stattdessen gibt es jetzt Wohneigentum für Familien - ein neues Programm mit anderen Regeln, höheren Beträgen und strengeren Anforderungen. Wenn du nicht weißt, welches Programm noch läuft, was du bekommst und wie du es beantragen kannst, verpasst du möglicherweise zehntausende Euro an Unterstützung.

Was ist aus dem Baukindergeld geworden?

Von 2018 bis 2020 zahlte der Staat Familien mit Kindern jährlich 1.200 Euro pro Kind - für zehn Jahre. Das ergab bis zu 12.000 Euro pro Kind, ohne dass du etwas zurückzahlen musstest. Ein Vater mit zwei Kindern bekam also 24.000 Euro, eine Mutter mit drei Kindern 36.000 Euro. Das Geld kam direkt auf das Konto, und es war kein Kredit. Keine Zinsen, keine Raten. Das war der große Vorteil.

Doch seit dem 1. Juni 2023 ist das Baukindergeld Geschichte. Es wurde abgelöst durch das Programm Wohneigentum für Familien. Die Idee bleibt dieselbe: Familien sollen Wohneigentum erwerben können. Aber die Methode hat sich komplett geändert. Statt Zuschüssen gibt es jetzt zinsgünstige Kredite. Das bedeutet: Du bekommst kein Geld geschenkt, sondern einen Kredit mit sehr niedrigen Zinsen - bis zu 240.000 Euro, je nach Kinderzahl.

Wie hoch ist die Förderung heute?

Das neue Programm zahlt nicht mehr pro Kind, sondern nach Familiengröße. Hier die konkreten Zahlen:

  • 1 oder 2 Kinder: maximal 165.000 Euro Kredit
  • 3 oder 4 Kinder: maximal 215.000 Euro Kredit
  • 5 oder mehr Kinder: maximal 240.000 Euro Kredit
Diese Beträge sind deutlich höher als beim alten Baukindergeld. Bei vier Kindern hattest du früher maximal 48.000 Euro Zuschuss. Heute kannst du bis zu 215.000 Euro leihen - und das zu einem Zinssatz von unter 1 Prozent. Aber: Du musst das Geld zurückzahlen. Die Laufzeit beträgt mindestens vier Jahre, oft länger. Die KfW hat die Mindestlaufzeit im März 2024 von fünf auf vier Jahre gesenkt, um mehr Familien zu erreichen.

Was muss deine Immobilie erfüllen?

Das ist der entscheidende Unterschied. Beim alten Baukindergeld war es egal, ob du ein altes Haus kaufst oder ein neues baust. Hauptsache, du wohnst selbst darin. Heute ist das nicht mehr möglich. Das neue Programm fördert nur Neubauten - und zwar nur solche, die sehr energieeffizient sind.

Dein Haus muss den Standard Effizienzhaus-Stufe 40 erfüllen. Das bedeutet: Es verbraucht maximal 40 Prozent der Energie eines vergleichbaren Neubaus nach den geltenden Gesetzen. Außerdem brauchst du das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude Plus. Das wird von einem unabhängigen Gutachter geprüft - nicht von dir. Du musst also einen Bauherrenberater oder Energieberater einbinden, der das Zertifikat beantragt. Das kostet Zeit und Geld - aber es ist notwendig.

Für Bestandsimmobilien gibt es keine Förderung mehr. Wenn du eine alte Wohnung oder ein altes Haus kaufen willst, bekommst du von diesem Programm nichts. Das ist der größte Kritikpunkt. Viele Familien können sich kein neues Haus leisten - aber ein renoviertes, gut gelegenes Haus schon. Für sie bleibt die Förderung verschlossen.

Eltern prüfen KfW-Antragsunterlagen am Küchentisch mit Steuerbescheiden und Energiezertifikat.

Wie viel Einkommen darfst du haben?

Beim Baukindergeld war die Grenze bei 75.000 Euro jährlichem Haushaltseinkommen - plus 15.000 Euro pro Kind. Eine Familie mit zwei Kindern durfte also maximal 105.000 Euro verdienen. Wer 107.000 Euro verdiente, wurde abgelehnt - auch wenn er nur 2.000 Euro über der Grenze lag. Das war hart.

Beim neuen Programm ist die Grenze höher und flexibler. Für Familien mit drei Kindern liegt sie jetzt bei 125.000 Euro (Stand April 2024). Für Familien mit einem oder zwei Kindern ist die Grenze 120.000 Euro. Das ist ein klarer Vorteil. Doch es gibt eine Fallgrube: Nur das zu versteuernde Einkommen zählt. Das ist nicht dein Bruttogehalt. Du musst die Steuerbescheide von den letzten zwei Jahren zusammenrechnen - inklusive Nebeneinkünfte, Zinsen, Mieteinnahmen. Viele Anträge scheitern deshalb an falschen Angaben. 34 Prozent der Anrufer bei der KfW-Hotline fragen genau nach dieser Berechnung.

Wie funktioniert der Antrag?

Der Antrag ist komplexer als früher. Du musst mehr Dokumente einreichen - und früher. Hier ist der Ablauf:

  1. Registriere dich auf der KfW-Plattform. Das geht online.
  2. Warte auf die Zusage. Du bekommst eine Bestätigung, dass du berechtigt bist.
  3. Bevor du baust, schließe einen Kreditvertrag mit deiner Bank ab. Die Bank muss den KfW-Kredit übernehmen.
  4. Reiche den Kaufvertrag oder die Baugenehmigung ein - und zwar innerhalb von sechs Monaten nach Baubeginn.
  5. Lade alle Nachweise hoch: Grundbuchauszug, Meldebescheinigung, Einkommensteuerbescheide, Energieausweis, Zertifikat für „Nachhaltiges Gebäude Plus“.
Die Bearbeitungszeit liegt bei durchschnittlich 4 bis 5 Monaten. Viele Familien warten lange - und müssen ihre Bauzeitplanung anpassen. Einige Anträge werden abgelehnt, weil die Dokumente unvollständig sind. 23,7 Prozent der Anträge scheitern laut Studien an formalen Fehlern. Das ist viel. Ein guter Tipp: Lass deinen Energieberater die Unterlagen prüfen, bevor du sie einreichst.

Was ist mit Bayern und anderen Bundesländern?

Das Bundesprogramm ist nicht das einzige Angebot. In Bayern gibt es zusätzlich eine eigene Förderung: Die sogenannte Bayern-Heimzulage. Hier bekommst du pro Kind 300 Euro pro Jahr über zehn Jahre - also 3.000 Euro pro Kind. Dazu kommt eine einmalige Eigenheimzulage von 10.000 Euro. Das ist eine echte Ergänzung. Wenn du in Bayern lebst und dein Haus bauen willst, kannst du beide Programme kombinieren: das Bundesprogramm Wohneigentum für Familien und die bayrische Zulage. Das macht bis zu 250.000 Euro an Unterstützung möglich.

In anderen Bundesländern gibt es oft lokale Förderungen - etwa in Hamburg, Berlin oder Baden-Württemberg. Die sind aber meist kleiner und nur für bestimmte Stadtteile oder Bauvorhaben. Du musst dich bei deiner Kommune erkundigen. Die meisten Städte haben eine eigene Wohnungsbauförderungsstelle. Frag dort nach.

Kontrast: modernes Energiesparhaus links, altes Haus mit Förderstopp rechts.

Wer profitiert wirklich?

Das neue Programm ist gut für Familien, die neu bauen und hohe energetische Standards akzeptieren. Wer ein modernes, klimafreundliches Haus plant, kann hier richtig profitieren. Wer aber eine Bestandsimmobilie kaufen will - etwa eine alte Villa, die renoviert werden soll - bleibt außen vor. Das ist ein großer Nachteil. Kritiker sagen: Das Programm fördert nicht Familien mit geringem Einkommen, sondern Familien mit mittlerem Einkommen, die sich ohnehin ein neues Haus leisten können.

Experten wie Prof. Dr. Christoph Schmidt vom RWI warnen: Die Förderung setzt falsche Anreize. Sie lockt Familien aus dem Mietmarkt in den Eigentumsmarkt - und verschärft damit die Mietpreiskrise. Der Mieterbund sagt: „Wir brauchen mehr bezahlbare Mietwohnungen, nicht mehr Eigenheime.“

Aber für viele Familien ist das Programm trotzdem die einzige Chance, ein eigenes Zuhause zu haben. Eine Familie aus Leipzig, die drei Kinder hat, hat im Januar 2024 einen Kredit von 215.000 Euro bekommen. Sie bauen ein Haus mit Photovoltaik, Wärmepumpe und Dämmung nach Effizienzhaus-Stufe 40. Ohne die Förderung wäre das nicht möglich gewesen.

Was kommt als Nächstes?

Das Programm läuft bis Ende 2027. Danach wird evaluiert. Die Bundesregierung will wissen: Hat es die Wohnraumknappheit reduziert? Hat es den klimafreundlichen Neubau vorangetrieben? Laut Prognos-Institut werden bis 2027 rund 85.000 neue Wohnungen durch dieses Programm entstehen - fast alle davon mit hohen Umweltstandards. Das ist ein Erfolg - aber nur für einen Teil der Familien.

Wenn du jetzt planst, dein Haus zu bauen: Handel schnell. Die Förderung ist nicht ewig da. Und wenn du eine Bestandsimmobilie kaufen willst - dann schau nach anderen Möglichkeiten: Kommunale Förderungen, KfW-Energieeffizienzprogramme oder die Eigenheimzulage in deinem Bundesland. Vielleicht findest du dort eine Lösung.

Was du jetzt tun kannst

  • Prüfe dein Haushaltseinkommen: Rechne dein zu versteuerndes Einkommen der letzten zwei Jahre aus.
  • Entscheide: Willst du bauen oder kaufen? Nur bauen bringt Förderung.
  • Kontaktiere einen Energieberater - früher als du denkst. Der braucht Zeit für die Zertifizierung.
  • Recherchiere, ob dein Bundesland zusätzliche Förderungen anbietet.
  • Bevor du einen Bauvertrag unterschreibst: Hole die KfW-Zusage ein. Sonst verlierst du die Chance.
Die Zeit arbeitet nicht für dich - sie arbeitet für die KfW. Wenn du nicht jetzt anfängst, wirst du später um eine Chance betrogen.

1 Kommentare

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    Hans De Vylder

    Januar 31, 2026 AT 17:02

    Endlich mal jemand, der die Wahrheit sagt: Wer keine Ahnung von echtem deutschen Wertesystem hat, soll sich doch eine Mietwohnung leisten! Wir bauen nicht für Leute, die denken, der Staat sei ihre Bank. Wer kein Effizienzhaus will, soll eben mit Miete leben. Deutschland zahlt nicht für Faulheit und Unwissenheit.

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