Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihre Wohnung verkauft und freuen sich auf den Gewinn. Dann kommt die Rechnung von Immowelt oder ImmobilienScout24. Plötzlich sind es nicht mehr die erwarteten 50 Euro, sondern schnell über 170 Euro - nur weil Sie eine bestimmte Option vergessen haben abzubestellen. Das passiert häufiger, als man denkt. Die Kosten für Online-Anzeigen auf deutschen Immobilienportalen sind kein einfaches Pauschalangebot. Sie hängen davon ab, ob Sie privat oder gewerblich inserieren, wie lange das Objekt online bleibt und welches Paket Sie wählen.
In diesem Artikel schauen wir uns genau an, was Sie aktuell (Stand September 2026) zahlen müssen. Wir vergleichen die beiden Marktführer Immowelt und ImmobilienScout24 unter die Lupe nehmen. Dabei geht es nicht nur um den Preis, sondern auch darum, was Sie dafür bekommen: echte Reichweite, mehr Anfragen oder nur teure Luft? Wenn Sie gerade planen, ein Haus zu verkaufen oder zu vermieten, sparen Sie hier bares Geld, wenn Sie die Fallstricke kennen.
Schnellüberblick: Was kostet die Anzeige wirklich?
- Einsteiger-Trick: Immowelt bietet Privatpersonen oft eine kostenlose zweiwöchige Testphase für Mietanzeigen. Nutzen Sie diese Chance, aber denken Sie an die Kündigung!
- Preis-Spanne: Für private Verkäufer liegen die Kosten meist zwischen 45 € und 260 € je nach Laufzeit (2 bis 4 Wochen).
- Reichweite-König: ImmobilienScout24 hat mit ca. 25 Millionen monatlichen Nutzern deutlich mehr Traffic als Immowelt (ca. 15 Millionen).
- Falle automatische Verlängerung: Beide Portale verlängern Anzeigen automatisch, wenn Sie nicht rechtzeitig (oft 24 Stunden vorher) kündigen. Das kann teuer werden.
- Gewerbe-Vorteil: Makler zahlen pro Objekt weniger, wenn sie Monatspakete (z.B. 10 Objekte für ~50 € netto bei Scout24) buchen.
Die Preisstruktur verstehen: Warum die Spannen so groß sind
Viele Nutzer wundern sich über die unterschiedlichen Preise. Bei Immowelt ist der Preis nicht fix. Er hängt stark vom geschätzten Wert Ihrer Immobilie ab. Ein kleines Apartment in einer Kleinstadt kostet weniger als ein Einfamilienhaus in München. Das Portal nutzt einen Algorithmus, der den "Immobilienwert" als Basis nimmt. Laut aktuellen Daten (CHIP Praxistipps 2025) zahlen private Vermieter für eine Mietanzeige zwischen 0 und 64,90 Euro für eine Woche. Für vier Wochen können es bis zu 174,90 Euro sein.
Bei ImmobilienScout24 ist das Modell etwas transparenter, aber nicht unbedingt günstiger. Hier gibt es feste Produkte wie den "Immobilienwert Einzelbuchung". Für Privatpersonen kostet das einmalige Einstellen eines Objekts aktuell 44,90 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Gewerbliche Kunden zahlen hier nur 24,90 Euro zuzüglich MwSt., weil sie Volumen einkaufen. Der entscheidende Unterschied liegt in der Laufzeitoption. Während Immowelt oft kürzere Intervalle anbietet, setzt Scout24 stärker auf Monatspakete, die sich für Makler lohnen, die regelmäßig mehrere Objekte vermarkten.
| Merkmal | Immowelt | ImmobilienScout24 |
|---|---|---|
| Einstiegspreis (Privat, Kauf) | ab ca. 44,90 € (2 Wochen) | 44,90 € (Einzelbuchung) |
| Kostenlose Testphase | Ja (2 Wochen für Miete) | Nein (Standard) |
| Automatische Verlängerung | Ja, muss aktiv gekündigt werden | Ja, Fristen beachten |
| Hauptvorteil | Günstiger Einstieg, gute Bild-Tools | Höchste Reichweite, Markenbekanntheit |
Immowelt: Premium-Features und die Falle der automatischen Verlängerung
Immowelt positioniert sich immer mehr als Anbieter für qualitativ hochwertige Darstellungen. Wenn Sie nur eine simple Textanzeige schalten, nutzen Sie das Potenzial der Plattform kaum aus. Die Pakete heißen "Immo Basic", "Immo Highlight" und "Immo Power". Das Basic-Paket erlaubt Ihnen, Bilder, Grundrisse und sogar 360°-Ansichten hochzuladen. Das klingt technisch anspruchsvoll, aber laut Erfahrungsberichten brauchen geübte Nutzer etwa 45 Minuten für eine vollständige Anzeige. Anfänger sollten eher 90 Minuten einplanen.
Der wahre Haken steckt im Detail: Die automatische Verlängerung. Ein Reddit-Nutzer berichtete im Dezember 2025, dass er versehentlich 174,90 Euro zahlte, weil er die Kündigungsfrist von 24 Stunden vor Ablauf der vierwöchigen Laufzeit übersah. Seit der Umsetzung der EU-Verbraucherrechterichtlinie im Januar 2025 müssen solche Klauseln zwar transparenter dargestellt werden, aber viele Nutzer lesen das Kleingedruckte einfach nicht. Setzen Sie sich sofort einen Kalender-Eintrag, wenn Sie eine Anzeige schalten. Sonst zahlen Sie doppelt, obwohl Ihr Objekt vielleicht schon verkauft ist.
Das "Immo Power"-Paket verspricht drei garantierte Anfragen. Klingt gut, oder? Aber Vorsicht: "Garantiert" bedeutet nicht, dass diese Anfragen qualifizierte Käufer sind. Es kann sich um reine Neugierde handeln. Dennoch zeigen Nutzerbewertungen auf Trustpilot (Durchschnitt 3,8 Sterne), dass dieses Feature tatsächlich zu mehr Kontaktversuchen führt. Wenn Sie dringend Interesse wecken wollen, ist dieses Upgrade sein Geld wert.
ImmobilienScout24: Die Macht der Reichweite
Warum zahlen Makler lieber bei ImmobilienScout24? Ganz einfach: Die Reichweite. Mit rund 25 Millionen monatlichen Nutzern dominiert Scout24 den Markt deutlich. Immowelt folgt mit etwa 15 Millionen Nutzern. In der Praxis bedeutet das: Eine Anzeige auf Scout24 wird statistisch gesehen öfter gesehen. Für private Verkäufer, die keine Erfahrung im Marketing haben, ist diese organische Sichtbarkeit Gold wert. Sie müssen weniger tun, um gefunden zu werden.
Allerdings ist die Benutzerfreundlichkeit für Gewerbetreibende anders gelagert. Das "Immobilienwert Monatspaket-10" kostet 49,90 Euro zuzüglich MwSt. und deckt zehn Objekte pro Monat ab. Das ist extrem effizient, wenn Sie regelmäßig verkaufen. Für den einzelnen Privatverkäufer, der nur eine Wohnung aufgibt, lohnt sich das Abo-Modell selten. Hier greift man zur Einzelbuchung. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Preisanpassungen für gewerbliche Kunden manchmal intransparent wirken. Prüfen Sie daher immer die aktuelle Preisliste direkt im Dashboard, bevor Sie ein Abo abschließen.
Ein weiterer Vorteil von Scout24 ist die Integration von Finanzierungsangeboten. Da das Portal Partnerschaften mit über 50 Banken unterhält, sehen Interessenten direkt in der Anzeige mögliche Finanzierungskosten. Das filtert "Zeitverschwender" heraus, die sich die Immobilie gar nicht leisten können. Diese Funktion wurde im November 2025 durch eine neue 3D-Visualisierungsfunktion ergänzt, die das Objekt noch lebendiger darstellt.
Strategie-Tipp: Wann lohnt sich welches Portal?
Es gibt keine pauschale Antwort, welches Portal besser ist. Es hängt von Ihrer Situation ab. Hier ist eine einfache Entscheidungslogik:
- Sie sind Privatperson und vermieten kurzfristig: Nehmen Sie Immowelt. Die kostenlose zweiwöchige Testphase ist ideal. Sie riskieren kein Geld, wenn Sie pünktlich kündigen. Die Reichweite reicht für lokale Mieter völlig aus.
- Sie sind Privatperson und verkaufen ein Wohnhaus: Kombinieren Sie. Schalten Sie die Anzeige zuerst auf Immowelt (günstiger). Wenn nach zwei Wochen keine qualifizierten Anfragen kommen, wechseln Sie zu ImmobilienScout24. Dort zahlen Sie zwar mehr, aber die höhere Reichweite kann den Durchbruch bringen.
- Sie sind Makler: ImmobilienScout24 ist Pflichtprogramm wegen der Marktdominanz. Ergänzen Sie dies mit Immowelt, um spezifische Zielgruppen anzusprechen, die dort aktiver suchen (z.B. jüngere Käufer, die die App-Features von Immowelt nutzen).
Bedenken Sie auch die versteckten Arbeitskosten. Eine gute Anzeige braucht Zeit. Fotos machen, Texte formulieren, Grundrisse digitalisieren. Wenn Sie diese Arbeit selbst erledigen, sparen Sie die Maklerprovision, aber investieren Ihre Freizeit. Schätzen Sie Ihren Stundenlohn realistisch ein. Manchmal ist es billiger, alles einem Makler zu überlassen, als drei Abende damit zu verbringen, die perfekte Anzeige für 45 Euro zu basteln.
Zukunftsausblick: Steigen die Kosten weiter?
Experten rechnen für 2026 mit einer weiteren Preiserhöhung von etwa 3 bis 5 Prozent bei Anzeigenkosten. Dies korreliert mit der erwarteten Steigerung der Immobilienpreise um circa 4 Prozent. Der Markt konsolidiert sich: Kleinere Portale wie Immobilien.de (ca. 8 Millionen Nutzer) verlieren Anteile an die Großen. Immowelt baut seine Nische im gehobenen Segment weiter aus, während Scout24 die Breite hält.
Ein Trend, den Sie beobachten sollten, ist die KI-Unterstützung. Immowelt hat bereits KI-gestützte Preisempfehlungen integriert. Das hilft Ihnen, Ihre Immobilie nicht zu billig oder zu teuer anzubieten. Eine falsche Preisklasse kann dazu führen, dass Sie in einem teureren Anzeigen-Paket landen oder dass die Zielgruppe gar nicht erst klickt. Nutzen Sie diese Tools kostenlos im Hintergrund, bevor Sie Ihre endgültige Preisvorstellung festlegen.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich meine Anzeige auf Immowelt jederzeit löschen?
Sie können die Anzeige jederzeit deaktivieren oder den Inhalt ändern. Wichtig ist jedoch: Löschen beendet nicht automatisch die Vertragslaufzeit. Wenn Sie eine vierwöchige Anzeige gebucht haben, läuft der Vertrag weiter, auch wenn das Objekt offline ist. Sie müssen explizit kündigen, um die nächste Verlängerungsgebühr zu vermeiden.
Ist die kostenlose Testphase bei Immowelt wirklich kostenlos?
Ja, für private Mietanzeigen gibt es eine zweiwöchige Testphase ohne Kreditkartenzwang im Vorfeld. Allerdings wird die Anzeige danach automatisch kostenpflichtig, wenn Sie nicht spätestens 24 Stunden vor Ablauf der Frist kündigen. Viele Nutzer vergessen diesen Schritt und zahlen dann den vollen Preis für die erste reguläre Periode.
Welches Portal bringt mehr Anfragen für einen Hausverkauf?
Statistisch gesehen generiert ImmobilienScout24 aufgrund der höheren Nutzerzahlen (25 Mio. vs. 15 Mio.) mehr absolute Klicks. Ob diese in konkrete Besichtigungstermine münden, hängt stark von der Qualität Ihrer Fotos und dem Preis ab. Oft ist die Kombination aus beiden Portalen am effektivsten, um die gesamte Zielgruppe abzudecken.
Was kostet ein 360-Grad-Rundgang extra?
Das Hochladen von 360-Grad-Bildern ist bei vielen Paketen (wie Immo Basic bei Immowelt) bereits enthalten. Sie müssen lediglich die Aufnahmen selbst erstellen. Dafür benötigen Sie entweder eine spezielle Kamera oder eine Smartphone-App mit AR-Funktion. Es fallen keine zusätzlichen Gebühren pro Bild an, solange Sie im Rahmen des Pakets bleiben.
Wie erkenne ich seriöse Anfragen von Spam?
Portale wie Immowelt bieten Filterfunktionen und Statistiken an. Seriöse Anfragen beinhalten oft konkrete Fragen zum Objekt oder Terminvorschläge. Spam-Mails erkennen Sie daran, dass sie sehr allgemein formuliert sind oder ungewöhnliche Links enthalten. Antworten Sie nur auf E-Mail-Adressen, die plausibel aussehen, und nutzen Sie die Nachrichtenfunktion des Portals, um Ihre private E-Mail-Adresse zu schützen.