Wenn Sie neue Fenster einbauen lassen, erwarten Sie mehr Komfort, weniger Zugluft und niedrigere Heizkosten. Doch viele Hausbesitzer in Wien und anderswo erleben nach dem Fenstertausch eine unerwartete Nebenwirkung: Schimmel an den Fensterlaibungen. Es ist kein Zufall. Es ist eine direkte Folge davon, dass moderne Fenster zu gut arbeiten.
Warum entsteht Schimmel genau nach dem Fenstertausch?
Alte Fenster waren undicht. Das war nervig, aber es hatte einen Vorteil: Jede Ritze ließ Luft rein - und damit auch trockene Außenluft, die die Feuchtigkeit aus dem Haus abführte. Ein Vier-Personen-Haushalt gibt täglich zwischen 6 und 12 Liter Wasserdampf ab - durch Kochen, Duschen, Atmen, sogar Pflanzen. Bei alten Fenstern verdunstete dieser Dampf einfach durch die Ritzen. Heute ist das anders. Neue Fenster sind luftdicht, isoliert, energieeffizient. Und genau das ist das Problem.Die Luftwechselrate sinkt von 0,5 bis 1,0 Mal pro Stunde bei alten Fenstern auf nur noch 0,1 bis 0,3 Mal pro Stunde bei modernen Modellen. Das bedeutet: Die feuchte Luft bleibt im Raum. Sie steigt auf, trifft auf kalte Oberflächen - und kondensiert. Besonders an Fensterlaibungen, wo die Wand nicht so gut gedämmt ist wie das neue Fenster. Hier entsteht eine sogenannte Wärmebrücke: Die Oberfläche wird kälter als die Raumluft. Bei 20°C Raumtemperatur und 60% Luftfeuchtigkeit reicht schon eine Wandtemperatur von 12,5°C aus, damit Wasser aus der Luft ausfällt. Und wo Wasser bleibt, wächst Schimmel.
Studien des Instituts für Wohnen und Umwelt zeigen: In Altbauten ohne Laibungsdämmung kann die Temperatur an der Fensterlaibung bis zu 5°C unter der Raumtemperatur liegen. Das ist ein perfekter Nährboden. Der Verband Privater Bauherren hat 2022 eine Umfrage unter 1.245 Hausbesitzern durchgeführt - 78% berichteten innerhalb von 12 Monaten nach Fenstertausch von Schimmel. In 63% der Fälle war er direkt an den Laibungen zu finden.
Was Sie nicht tun dürfen: Fensterdichtungen beschädigen
Ein verbreiteter, aber gefährlicher Irrtum: Manche versuchen, das Problem mit einem „Luftloch“ zu lösen - indem sie die Dichtungen der Fenster beschädigen oder mit Klebeband Löcher reinmachen. Das klingt logisch: Mehr Luft rein, weniger Feuchtigkeit. Aber es ist falsch. Und teuer.Professor Dr. Thomas Hartwig von der Hochschule München sagt es klar: „Das ist wie bei einem Kühlschrank - wenn du die Tür offen lässt, wird es kälter im Raum, aber du verbrauchst doppelt so viel Strom.“ Genau so verhält es sich mit Fenstern. Durch beschädigte Dichtungen steigen die Heizkosten, die Luftfeuchtigkeit bleibt hoch, und die Fenster verlieren ihre Funktion als Schutz vor Regen, Wind und Schall. Die Deutsche Gesellschaft für Schadenverhütung (VdS) warnt ausdrücklich davor. Die Lösung liegt nicht in der Zerstörung, sondern in der Verbesserung.
Lösung 1: Richtig lüften - nicht nur mal kurz die Fenster aufmachen
Das einfachste Mittel ist Stoßlüften. Aber nicht „ein bisschen aufmachen“ - sondern richtig. Die Initiative Energie Effizientes Bauen empfiehlt: Mindestens zweimal täglich, jeweils 5 bis 10 Minuten, alle Fenster komplett öffnen. Am besten querlüften: Fenster im Wohnzimmer und Bad öffnen, Tür dazwischen aufmachen. So entsteht ein Luftstrom, der die Feuchtigkeit in 10 Minuten um bis zu 20% reduziert, wie Messungen der Fachhochschule Münster belegen.Doch das reicht oft nicht. Wer morgens duscht, abends kocht und nachts schläft, produziert kontinuierlich Feuchtigkeit. Stoßlüften ist wie ein Notfall-Feuerlöscher - es hilft, aber es löst nicht das Problem. Viele Menschen vergessen es einfach. Oder sie haben Angst vor Kälte. Deshalb braucht es eine bessere Lösung.
Lösung 2: Fensterfalzlüfter - die unsichtbare Luftzufuhr
Fensterfalzlüfter sind kleine, diskrete Geräte, die in den oberen Bereich des Fensterflügels eingebaut werden. Sie lassen kontinuierlich 5 bis 10 Kubikmeter Luft pro Stunde einströmen - ohne Zugluft, ohne Kälte, ohne Lärm. Sie funktionieren wie eine Atmung für Ihr Fenster. Das ift Rosenheim hat in einer Prüfungsstudie nachgewiesen, dass sie die Luftfeuchtigkeit an kritischen Stellen deutlich senken.Die Installation ist einfach: Ein Handwerker bohrt ein kleines Loch in den Fensterrahmen, setzt den Lüfter ein - und fertig. Die Kosten liegen zwischen 25 und 50 Euro pro Fenster. In einer Umfrage von Hausforum.de gaben 76% der Nutzer an, dass Schimmel nach der Installation verschwand. Besonders effektiv sind sie in Bädern, Küchen und Schlafzimmern. Und sie arbeiten 24 Stunden am Tag - auch wenn Sie vergessen haben, zu lüften.
Lösung 3: Dämmen der Fensterlaibung - der dauerhafte Schutz
Die eigentliche Ursache liegt in der Wand. Die neuen Fenster sind gut gedämmt - aber die Laibung dahinter ist oft Beton oder Ziegel, ohne Dämmung. Das ist wie ein Eisblock in einem warmen Raum. Die Lösung: Dämmplatten anbringen. Architektin Dr. Sabine Kulas vom Deutschen Institut für Bautechnik hat in Feldversuchen gezeigt, dass 2 bis 4 cm dicke Dämmplatten aus EPS oder XPS die Oberflächentemperatur an der Laibung um bis zu 7°C erhöhen können.Das ist kein Luxus - das ist notwendig. Die DIN 4108-2 und -3, die seit 2021 gelten, fordern genau das: Dämmung an Wärmebrücken. Die Deutsche Gesellschaft für Wärmedämm-Systeme empfiehlt für Altbauten mindestens 40 mm Dämmstärke. Die Kosten für die Dämmung einer Laibung liegen bei etwa 100 bis 200 Euro pro Fenster - inklusive Material und Montage. Aber: Wenn Sie Schimmel beseitigen, ohne die Laibung zu dämmen, kommt er zurück. Innerhalb von 6 bis 12 Monaten. Die Studie des Instituts für Schadensverhütung zeigt: Die durchschnittlichen Kosten für die Beseitigung von Schimmel betragen 1.200 bis 2.500 Euro pro Raum. Dämmen kostet weniger - und hält ewig.
Lösung 4: Zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung - die Premium-Lösung
Wenn Sie ein Mehrfamilienhaus sanieren oder ein Einfamilienhaus mit mehr als 80 Quadratmetern bewohnen, ist eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung die beste Investition. Diese Anlagen ziehen die verbrauchte, feuchte Luft ab, entziehen ihr die Wärme (bis zu 90%) und geben die warme, trockene Luft wieder ab. Gleichzeitig bringen sie frische Luft von außen - ohne dass Sie lüften müssen.Die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen bestätigt: Sie halten die Luftfeuchtigkeit konstant bei 40 bis 50% - genau dem Bereich, in dem Schimmel nicht wächst. In Mehrfamilienhäusern ist sie sogar gesetzlich vorgeschrieben nach DIN 1946-6:2020-08. Die Kosten für eine Anlage in einer 80-m²-Wohnung liegen zwischen 3.500 und 6.000 Euro - inklusive Montage. Aber: Die Bundesregierung fördert diese Anlagen mit bis zu 25% der Kosten (max. 5.000 Euro) über das BAFA. Und die Energieeinsparung durch reduzierte Heizkosten amortisiert die Investition innerhalb von 7 bis 10 Jahren, wie Professor Hartwig berechnet hat.
Was Sie vor dem Fenstertausch tun müssen
Die meisten Probleme entstehen nicht durch schlechte Fenster - sondern durch schlechte Planung. Bevor Sie neue Fenster bestellen, brauchen Sie ein Lüftungskonzept. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) schreibt das seit 2022 als Pflicht vor. Es sollte enthalten:- Wie viel Luftwechsel jeder Raum braucht (Küche: 60 m³/h, Bad: 45 m³/h, Schlafzimmer: 30 m³/h)
- Wie oft und wie lange gelüftet werden muss
- Wo Wärmebrücken entstehen und wie sie gedämmt werden
- Welche Lüftungslösung (Falzlüfter, Zentrale Anlage) am besten passt
Ein guter Handwerker macht das für Sie - aber fragen Sie danach. Wenn er sagt: „Machen wir einfach die Fenster, Sie lüften dann halt öfter“ - suchen Sie sich einen anderen. Denn das ist kein Service, das ist eine Einladung zum Schimmel.
Was passiert, wenn Sie nichts tun?
Schimmel ist nicht nur unschön. Er ist gesundheitsschädlich. Er kann Atemwegserkrankungen, Allergien und Asthma verschlimmern. Die Deutsche Gesellschaft für Schadenverhütung listet Schimmel als eine der häufigsten Ursachen für Mieterbeschwerden und Schadensersatzklagen auf. Wenn Sie vermieten, können Sie haftbar gemacht werden. Wenn Sie verkaufen, sinkt der Wert Ihrer Immobilie. Und die Beseitigung kostet nicht nur Geld - sie kostet Zeit, Nerven und Schlaf.Die Zahlen sprechen klar: 68% der Mieter wissen nicht, wie sie richtig lüften. 78% der Hausbesitzer erleben Schimmel nach Fenstertausch. Und die Industrie reagiert: Der Absatz von Fensterlüftungssystemen ist von 2020 bis 2022 um 79% gestiegen. Smarte Lösungen wie die „SmartVent“-Technologie von Schüco passen den Luftaustausch automatisch an die Luftfeuchtigkeit an - seit Juli 2023 auf dem Markt. Die Bundesregierung will bis Ende 2023 eine nationale Kampagne starten, um das Problem sichtbar zu machen.
Es geht nicht darum, alte Fenster zu bewundern. Es geht darum, neue Fenster richtig zu nutzen. Denn gute Fenster sind kein Ende - sie sind ein Anfang. Ein Anfang für ein gesünderes, trockeneres, energieeffizienteres Zuhause. Wenn Sie jetzt handeln, vermeiden Sie Schimmel. Und Sie sparen Geld, Gesundheit und Nerven.
Veronika Abdullah
Januar 25, 2026 AT 03:35Das mit den Fensterdichtungen beschädigen – echt, wer macht das noch? 😅 Das ist, als würde man den Kühlschrank aufmachen, um die Luftfeuchtigkeit zu senken. Einfach nur tragisch.