Die Heizung in Ihrem Haus läuft noch mit Gas oder Öl? Dann haben Sie nicht nur eine alte Technik, sondern eine Heizkostenfalle. Seit Januar 2024 gilt in Deutschland das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG): Jede neue Heizung muss zu mindestens 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Das bedeutet: Ab 2026 dürfen Sie keine reine Gasheizung mehr einbauen. Und ab 2028 muss jede neue Heizung komplett klimaneutral sein. Die Zeit zum Umdenken ist jetzt.
Warum Sie nicht einfach Ihre alte Heizung ersetzen dürfen
Viele Hausbesitzer denken: „Meine Gasheizung ist noch in Ordnung, warum soll ich sie jetzt austauschen?“ Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Die Heizkosten für Gas sind 2025 um 15 % gestiegen, Holzpellets um 20 %. Die CO2-Steuer schlägt zusätzlich mit 330 bis 517 Euro pro Jahr zu Buche - und das wird bis 2030 nochmal verdoppelt oder verdreifacht. Eine Gasheizung, die heute 1.180 Euro im Jahr kostet, könnte in 20 Jahren über 120.000 Euro verbrauchen. Eine Wärmepumpe dagegen - nach Sanierung - nur 16.000 Euro. Das ist kein Unterschied. Das ist eine Rechnung mit einem Minus von mehr als 100.000 Euro.Wärmepumpe: Die langfristig günstigste Lösung
Wärmepumpen nutzen Umweltwärme aus Luft, Erde oder Grundwasser. Sie arbeiten mit einem Wirkungsgrad von 300 bis 500 %: Für jeden Kilowatt Strom, den sie verbrauchen, liefern sie drei bis fünf Kilowatt Wärme. Das ist effizienter als jede Gasheizung. Die Anschaffung kostet zwischen 15.000 und 25.000 Euro - aber Sie bekommen bis zu 70 % Förderung: 30 % Grundförderung vom BAFA und 20 % Bonus, wenn Sie Ihre alte Heizung noch vor 2026 austauschen. Das reduziert die Netto-Kosten auf 4.500 bis 7.500 Euro. Aber: Wärmepumpen brauchen niedrige Vorlauftemperaturen. Das heißt, Ihre alten Heizkörper müssen oft ausgetauscht werden, oder Sie brauchen eine Fußbodenheizung. Wer das nicht beachtet, läuft Gefahr, dass die Wärmepumpe ständig auf Höchstleistung läuft - und teuer wird. Ein typischer Fehler: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in einem unsanierten Haus installieren, ohne die Dämmung zu prüfen. Dann steigen die Stromkosten und die Effizienz sinkt. Viele Nutzer berichten, dass sie nach der Umstellung 30-40 % weniger Heizkosten haben - aber oft 10.000 bis 15.000 Euro in Dämmung investieren mussten.Gas-Hybrid: Der Übergang mit Kompromissen
Gas-Hybrid-Heizungen kombinieren Gas mit einer Wärmepumpe oder Solarthermie. Sie sind ideal, wenn Sie Ihr Haus nicht sanieren wollen - oder wenn die Außeneinheit einer Wärmepumpe nicht passt. Die Kosten liegen zwischen 21.000 und 50.000 Euro. Die Förderung greift nur für den erneuerbaren Teil: Wenn Sie eine Wärmepumpe als Hybrid-Komponente einbauen, bekommen Sie dafür die volle BEG-Förderung. Die Gasheizung bleibt unfördert. Vorteil: Sie können weiterhin mit Gas heizen, wenn es extrem kalt ist. Und viele Systeme sind „H2-ready“ - also vorbereitet für Wasserstoff. Aber: Bis 2030 wird es in Österreich und Deutschland kaum grünen Wasserstoff geben. Experten wie Dr. Hans-Joachim Fell nennen das „reine Marketing“. Die Technik ist noch nicht ausgereift, und die Infrastruktur fehlt. Sie zahlen mehr für eine Heizung, die in 10 Jahren vielleicht nicht mehr funktioniert - oder nur mit teurem Wasserstoff.
Fernwärme: Die Lösung für Dichte
Wenn Sie in einer Stadt wohnen, besonders in Wien, Graz oder Linz, ist Fernwärme oft die einfachste Option. Sie bekommen Wärme über ein Netz von Kraftwerken oder Abfallverbrennungsanlagen. Die Anschlusskosten liegen zwischen 5.000 und 20.000 Euro - je nach Entfernung zum Netz. Die jährlichen Heizkosten sind mit 1.245 Euro höher als bei einer Wärmepumpe, aber deutlich niedriger als bei Gas oder Öl. Die Preise steigen nur um 2 % pro Jahr - im Vergleich zu 15 % bei Gas. Nachteil: Sie haben keine Kontrolle über die Preise. Der Anbieter entscheidet, wie viel er verlangt. Und wenn das Netz ausfällt, haben Sie keine Heizung. Außerdem: Nicht jeder Wohnblock ist angeschlossen. In ländlichen Gebieten oder Altbauten ohne Nahwärmenetz ist Fernwärme keine Option.Was kostet was - Der direkte Vergleich für eine 70 m²-Wohnung (2025)
| Heizungsart | Jährliche Heizkosten (2025) | Anschaffungskosten | Förderung |
|---|---|---|---|
| Erdgas | 1.180 € | 9.000 - 15.500 € | 0 % |
| Heizöl | 1.055 € | 10.000 - 17.000 € | 0 % |
| Fernwärme | 1.245 € | 5.000 - 20.000 € | 0-30 % (je nach Stadt) |
| Wärmepumpe | 715 - 740 € | 15.000 - 25.000 € | 30-70 % |
| Gas-Hybrid | 850 - 950 € | 21.000 - 50.000 € | 30-70 % (nur erneuerbarer Teil) |
Was tun - Schritt für Schritt
1. Prüfen Sie Ihre Heizlast: Wie viel Wärme braucht Ihr Haus wirklich? Ein Energieberater misst das mit einem Wärmebedarfsrechner. Das kostet bis zu 1.300 Euro - aber der Bund zahlt 80 % davon. 2. Prüfen Sie die Dämmung: Ein unsaniertes Haus macht jede Heizung teuer. Wenn Ihre Außenwände nicht gedämmt sind, ist eine Wärmepumpe ineffizient. Ein Gutachten kostet 300-600 Euro, aber es spart später Tausende. 3. Wählen Sie die Technik: Wenn Ihr Haus gut gedämmt ist und Sie Platz für eine Außeneinheit haben: Wärmepumpe. Wenn Sie sanieren wollen, aber nicht können: Gas-Hybrid. Wenn Sie in einer Stadt wohnen und ein Netz vorhanden ist: Fernwärme. 4. Beantragen Sie Förderung: Beim BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) müssen Sie die Förderung vor der Bestellung beantragen. Sie bekommen die Gelder erst, wenn die Rechnung bezahlt ist. Keine Förderung ohne Antrag. 5. Planen Sie den Austausch: Eine Wärmepumpe braucht 2-3 Wochen. Fernwärmeanbindung bis zu 4 Wochen. Gas-Hybrid nur 1-2 Wochen. Aber: Warten Sie nicht bis 2026. Die Förderung wird ab 2027 auf reine Wärmepumpen fokussiert. Wer jetzt wechselt, spart mehr.
Was Experten sagen - und was Sie ignorieren sollten
Dr. Sascha Hebisch von co2online sagt: „Fossile Heizungen sind keine Investition, sondern eine Schuldenfalle.“ Prof. Dr. Andreas Kuhlmann bestätigt: „Der CO2-Preis wird die Heizkosten in den nächsten 10 Jahren verdreifachen.“ Doch Dr. Christian Hey vom Umweltbundesamt warnt: „Die Technologie muss zum Gebäude passen.“ Viele Anbieter verkaufen „H2-ready“ als Zukunftssicherheit. Aber bis 2030 wird es kaum grünen Wasserstoff geben. Sie zahlen extra für eine Funktion, die nicht nutzbar ist. Und: Eine Wärmepumpe ist kein „Plug-and-Play“. Sie braucht Planung, Dämmung, passende Heizkörper. Wer das ignoriert, kauft eine teure Heizung, die nicht funktioniert.Was kommt als Nächstes - Die Zukunft bis 2040
Bis 2040 wird laut Fraunhofer ISI die Wärmepumpe 65 % des Marktes dominieren, Fernwärme 20 %, Hybridlösungen 15 %. Fossile Heizungen sind dann unter 5 %. Die Bundesregierung investiert bis 2025 weitere 3,5 Milliarden Euro in die Heizungsförderung - hauptsächlich für Wärmepumpen. Aber es gibt ein Risiko: Prof. Dr. Claudia Kemfert vom DIW warnt vor Stromnetz-Engpässen. Wenn zu viele Wärmepumpen gleichzeitig laufen, kann das Netz überlastet werden. Das bedeutet: Nicht nur die Technik zählt, sondern auch die Infrastruktur.Was tun, wenn Sie unsicher sind?
Machen Sie einen Energieberater-Termin. Lassen Sie sich von einem unabhängigen Experten beraten - nicht vom Heizungsinstallateur, der nur Ihre alte Heizung ersetzen will. Prüfen Sie, ob Ihr Haus für eine Wärmepumpe geeignet ist. Rechnen Sie die Kosten für die nächsten 20 Jahre durch. Und fragen Sie: Was kostet mich die Heizung, wenn ich sie nicht wechsle? Die Entscheidung ist nicht einfach. Aber die Konsequenzen sind klar: Wer heute nicht modernisiert, zahlt morgen doppelt. Nicht nur für Energie. Sondern auch für den Wertverlust seiner Immobilie. Denn wer 2026 eine Gasheizung hat, kann sein Haus nicht mehr so verkaufen wie heute. Die Käufer wollen klimafreundlich heizen. Und die Banken verlangen das auch bei der Finanzierung.Kann ich meine alte Gasheizung einfach weiter nutzen?
Ja, aber nur, wenn sie noch funktioniert. Das GEG verbietet nur neue Installationen von reinen Gasheizungen ab 2026. Ihre bestehende Heizung dürfen Sie weiterhin betreiben - bis sie kaputt geht. Aber: Die Heizkosten steigen, die CO2-Steuer wird teurer, und der Wert Ihrer Immobilie sinkt. Wenn Sie später ersetzen müssen, haben Sie keine Förderung mehr.
Wie lange hält eine Wärmepumpe?
Eine gut gewartete Wärmepumpe hält 15 bis 20 Jahre. Das ist ähnlich wie bei einer Gasheizung. Aber: Sie braucht weniger Wartung. Einmal jährlich checken lassen - mehr nicht. Die Lebensdauer ist also vergleichbar, aber die Betriebskosten sind deutlich niedriger.
Bekomme ich Förderung, wenn ich eine Wärmepumpe in einem Altbau einbaue?
Ja, aber nur, wenn die Anlage richtig dimensioniert ist und die Vorlauftemperatur passt. Die Förderung hängt nicht vom Baujahr ab, sondern davon, ob die Technik effizient arbeitet. Wenn Sie Ihre Heizkörper nicht austauschen und die Wärmepumpe trotzdem installieren, kann die Förderung abgelehnt werden - weil die Anlage ineffizient wäre.
Ist Fernwärme in Wien eine gute Option?
In Wien ist Fernwärme eine der besten Optionen. Über 60 % der Wiener Wohnungen sind an das Netz angeschlossen. Die Preise steigen langsam, die Versorgung ist zuverlässig, und die CO2-Emissionen sind niedrig. Wenn Sie in einem Mehrfamilienhaus wohnen und Ihr Haus angeschlossen ist, ist Fernwärme oft die einfachste und günstigste Wahl.
Was ist mit Stromkosten bei Wärmepumpen?
Wärmepumpen verbrauchen Strom - aber weniger als Sie denken. Eine durchschnittliche Wärmepumpe in einem gut gedämmten Haus verbraucht 2.500 bis 3.000 kWh pro Jahr. Das sind etwa 400 bis 500 Euro Stromkosten. Dazu kommen 300-400 Euro Heizkostenersparnis gegenüber Gas. Insgesamt sparen Sie 700-900 Euro pro Jahr. Wenn Sie eine Photovoltaik-Anlage haben, können Sie den Strom selbst erzeugen und die Kosten fast auf Null senken.