Stellen Sie sich vor, Ihre monatliche Heizrechnung sinkt von 480 Euro auf 120 Euro - ohne dass Sie Ihre Wohnung umrüsten oder Ihren Lebensstil ändern müssen. Das ist nicht Science-Fiction, sondern Realität für Hausbesitzer, die ihre alte Elektroheizung durch eine Wärmepumpe ersetzen. In Deutschland werden jedes Jahr Hunderttausende dieser Systeme stillgelegt, weil sie langfristig zu teuer sind. Die gute Nachricht: Die Technik ist reif, die Förderung ist stark, und die Einsparungen sind greifbar. Die schlechte Nachricht: Nicht jeder Hausbesitzer profitiert davon - und wer das nicht versteht, läuft Gefahr, Geld zu verschwenden.
Warum lohnt sich der Austausch überhaupt?
Elektroheizungen, vor allem Nachtspeicherheizungen aus den 70er und 80er Jahren, waren früher beliebt: einfach zu installieren, kein Kamin, kein Öl. Aber sie haben einen fatalen Nachteil: Sie wandeln Strom direkt in Wärme um. Dabei ist der Wirkungsgrad maximal 100 Prozent. Das bedeutet: 1 kWh Strom ergibt genau 1 kWh Wärme. Kein Gewinn, nur Umschlag.Wärmepumpen hingegen arbeiten anders. Sie holen Wärme aus der Luft, dem Boden oder dem Grundwasser - und multiplizieren sie. Eine moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe erzeugt mit 1 kWh Strom bis zu 4,5 kWh Wärme. Das ist ein Wirkungsgrad von 450 Prozent. Kein Wunder, dass die Betriebskosten um 70 bis 80 Prozent sinken.
Rechnen Sie mal nach: Ein Einfamilienhaus mit 150 m² und einem Heizbedarf von 18.000 kWh pro Jahr verbraucht bei Elektroheizung 18.000 kWh Strom. Bei 32 Cent pro kWh sind das 5.760 Euro im Jahr. Mit einer Wärmepumpe braucht es nur noch etwa 4.000 kWh Strom - also 1.280 Euro. Die Differenz: 4.480 Euro pro Jahr. Über 20 Jahre sind das mehr als 89.000 Euro, die Sie sparen.
Was kostet der Austausch wirklich?
Die Anschaffungskosten sind der größte Haken. Aber sie sind nicht so hoch, wie viele glauben - besonders wenn Sie Förderung nutzen.Ein typischer Austausch setzt sich aus mehreren Teilen zusammen:
- Wärmepumpe inkl. Einbau: 8.000 - 15.000 Euro (je nach Leistung und Hersteller)
- Hydraulischer Abgleich (gesetzlich vorgeschrieben): 1.000 - 1.500 Euro
- Netzanbindung (3-Phasen-Strom): 1.500 - 2.500 Euro (bei alten Hausinstallationen nötig)
- Heizkörpermodernisierung (bei Altbauten): 2.000 - 5.000 Euro (nur wenn alte Heizkörper nicht für niedrige Vorlauftemperaturen geeignet sind)
- Warmwasserbereitung (integriert): Keine额外 Kosten - bei Elektroheizung musste ein Durchlauferhitzer extra installiert werden (800 Euro)
Summa summarum: Ohne Förderung liegt der Gesamtaufwand zwischen 12.500 und 24.000 Euro. Aber hier kommt der entscheidende Punkt: Förderung.
Seit September 2023 gilt die neue BAFA-Richtlinie: Bei Austausch einer Elektroheizung durch eine Wärmepumpe gibt es 45 Prozent Zuschuss - bis zu 30.000 Euro Investitionssumme. Das bedeutet: Bei 18.000 Euro Gesamtkosten erhalten Sie 8.100 Euro zurück. Zusätzlich können Sie seit Oktober 2023 das „Sofortprogramm Elektroheizungsaustausch“ nutzen: Wer unter 40.000 Euro Jahreseinkommen hat, bekommt 2.000 Euro extra. Kombiniert mit der KfW-Förderung (zinsgünstiges Darlehen) können Sie so bis zu 60 Prozent der Kosten abdecken.
Ein echtes Beispiel: Ein Haushalt mit 18.500 Euro Gesamtkosten erhält 8.325 Euro BAFA-Zuschuss + 2.000 Euro Sofortprogramm = 10.325 Euro Förderung. Netto-Kosten: 8.175 Euro.
Was muss vorher geprüft werden?
Nicht jedes Haus ist gleich. Und nicht jede Wärmepumpe passt zu jedem Gebäude.Die größte Falle: Altbauten mit schlechter Dämmung. Wärmepumpen arbeiten am effizientesten mit niedrigen Vorlauftemperaturen - also 35 bis 45 Grad. Das ist ideal für Fußbodenheizung. Aber bei alten Heizkörpern aus den 70ern braucht man 60-70 Grad, um die Räume warm zu bekommen. Wenn Sie die Wärmepumpe in so einem Haus einbauen, läuft sie ständig auf höchster Leistung - und verbraucht mehr Strom, als sie sollte.
Laut dem Öko-Institut Freiburg sinkt die Effizienz bei Temperaturen unter -5°C um 30-40 Prozent. Und wenn die Wärmepumpe dann auf elektrische Zusatzheizung umschaltet, ist der Vorteil dahin. Die Lösung? Sanieren Sie die Gebäudehülle. Dämmen Sie die Fassade, tauschen Sie Fenster aus, dichten Sie Lüftungsschächte ab. Das kostet zwar Geld - aber es macht die Wärmepumpe effizienter und senkt die Amortisationszeit von 15 auf 7 Jahre.
Ein weiterer Punkt: Der Stromanschluss. Viele alte Elektroheizungen laufen auf 1-Phasen-Strom. Eine Wärmepumpe braucht aber 3-Phasen-Strom mit mindestens 16 Ampere pro Phase. Der Netzbetreiber muss das umstellen - und das kostet durchschnittlich 1.850 Euro. Das sollte im Angebot klar genannt werden. Wer das verschweigt, macht Ihnen eine teure Überraschung.
Wie läuft die Umstellung praktisch ab?
Der Prozess ist standardisiert - und gut durchstrukturiert. Hier der Ablauf:- Bedarfsanalyse: Ein Heizungsfachbetrieb kommt vor Ort, misst den Heizbedarf, prüft den Stromanschluss und die Heizkörper. Kosten: 150-300 Euro (oft kostenlos, wenn Sie den Auftrag vergeben).
- Konzept erstellen: Der Betrieb berechnet die passende Wärmepumpe, erstellt ein hydraulisches Abgleichkonzept und prüft Fördermöglichkeiten. Kosten: 300-600 Euro (kann oft vom Zuschuss gedeckt werden).
- Förderantrag stellen: Sie beantragen BAFA und ggf. KfW. Dauer: 6-8 Wochen. Wichtig: Der Antrag muss vor der Bestellung gestellt werden!
- Installation: Die alte Heizung wird abgebaut, die neue Wärmepumpe eingebaut, der Anschluss umgestellt, die Heizkörper geprüft. Dauer: 1-3 Tage.
- Abnahme und Nachweis: Ein Sachverständiger prüft die Anlage, stellt den Abgleichsnachweis aus - nur dann fließt die Förderung.
Die meisten Betriebe übernehmen die gesamte Abwicklung - von der Antragstellung bis zur Abnahme. Suchen Sie nach einem Unternehmen mit der Zertifizierung „Fachkraft für Wärmepumpen“ - das ist seit 2023 Pflicht für seriöse Anbieter.
Was sagen Nutzer wirklich?
Im Forum Heizung.de berichtet ein Nutzer mit der ID „Hausbau2023“: „Meine alte Elektroheizung war 25 Jahre alt. Die Wärmepumpe kostete 18.500 Euro, mit 40 Prozent Förderung blieben 11.100 Euro übrig. Die monatlichen Kosten sanken von 480 auf 120 Euro. Nach 7,2 Jahren war die Investition amortisiert.“Dagegen schreibt „EnergieSparchen“ auf Haus&Co: „Ich habe eine Wärmepumpe in meinem 1970er-Altbau mit schlechter Dämmung eingebaut. Die Kosten sanken nur um 35 Prozent, weil die Heizung bei Minusgraden ständig auf Zusatzheizung sprang. Ich hätte erst die Dämmung machen sollen.“
Die durchschnittliche Bewertung auf Trustpilot liegt bei 4,2 von 5 Sternen. Die Zuverlässigkeit und Energieeffizienz werden gelobt - aber die hohen Installationskosten und die Komplexität der Wartung kritisiert. Das ist kein Zufall: Wer den Austausch ohne Sanierung macht, ist frustriert. Wer sanieren und umrüsten lässt, ist begeistert.
Wann lohnt es sich nicht?
Es gibt drei Fälle, in denen der Austausch nicht sinnvoll ist:- Schlecht gedämmtes Haus ohne Sanierungsplan: Die Wärmepumpe arbeitet ineffizient, die Kosten sinken kaum.
- Strompreis über 40 Cent/kWh: Selbst mit Wärmepumpe wird es teuer. In diesem Fall lohnt sich eine Solaranlage mit Speicher mehr.
- Planung, das Haus in den nächsten 5 Jahren zu verkaufen: Die Amortisation dauert 7-10 Jahre. Wer nicht lange genug bleibt, zahlt mehr als er spart.
Wenn Sie eines dieser Kriterien treffen, sollten Sie erst sanieren - oder auf andere Optionen wie Hybridheizungen mit Gas- oder Holzpellet-Unterstützung setzen.
Was kommt als Nächstes?
Die Technik entwickelt sich weiter. Seit 2023 testet das Fraunhofer ISE Wärmepumpen mit KI-Steuerung, die sich an die Photovoltaik-Anlage anpassen. Wenn Ihre Solaranlage Strom produziert, läuft die Wärmepumpe automatisch auf Höchstleistung - und nutzt den überschüssigen Strom. Das senkt die Stromkosten um weitere 15 Prozent.Die Bundesregierung will bis 2030 sechs Millionen Wärmepumpen in Deutschland installiert haben. Dafür wird die Förderung weiter ausgebaut. Die alte Elektroheizung ist bald ein Relikt aus der Vergangenheit. Wer jetzt umrüstet, sichert sich nicht nur niedrigere Kosten - sondern auch eine zukunftsfähige Heizung.
Kann ich meine alte Elektroheizung einfach abschalten und eine Wärmepumpe einbauen?
Nein. Die alte Elektroheizung muss fachgerecht abgebaut werden, da sie oft mit dem Stromnetz verbunden ist und in manchen Fällen auch die Warmwasserbereitung übernimmt. Außerdem muss der neue Anschluss (3-Phasen-Strom) geprüft und ggf. erweitert werden. Ein Heizungsfachbetrieb prüft vorher die technischen Voraussetzungen - und erst dann wird der Austausch geplant.
Wie lange hält eine Wärmepumpe?
Eine moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe hält durchschnittlich 15-20 Jahre, wenn sie regelmäßig gewartet wird. Die meisten Hersteller geben eine Garantie von 5-10 Jahren auf den Kompressor. Wartungskosten liegen bei 150-250 Euro pro Jahr - das ist deutlich weniger als bei einer Ölheizung.
Muss ich meine Heizkörper erneuern?
Nicht immer. Wenn Ihre Heizkörper groß genug sind und die Vorlauftemperatur der Wärmepumpe (35-45°C) erreicht wird, können sie bleiben. In vielen Altbauten reichen aber große, moderne Heizkörper mit 1.200-1.800 Watt Leistung. Wer alte Heizkörper behält, riskiert kalte Räume im Winter. Ein Fachmann misst die Heizleistung und sagt, ob ein Wechsel nötig ist.
Kann ich eine Wärmepumpe mit meiner Solaranlage kombinieren?
Ja, und das ist sogar die beste Lösung. Eine Solaranlage produziert im Sommer oft mehr Strom, als Sie brauchen. Mit einer intelligenten Wärmepumpe können Sie diesen überschüssigen Strom für die Heizung nutzen - und sparen so bis zu 70 Prozent der Stromkosten. Einige Förderprogramme gewähren sogar zusätzliche Zuschüsse, wenn Solaranlage und Wärmepumpe zusammen installiert werden.
Gibt es Alternativen zur Wärmepumpe?
Ja - aber sie sind weniger effizient. Eine Hybridheizung aus Wärmepumpe und Gas-Brennwertkessel ist eine Option, wenn die Dämmung schlecht ist. Aber sie ist teurer und weniger klimafreundlich. Eine Pellet-Heizung ist möglich, aber sie braucht Platz, Lagerung und regelmäßige Nachfüllung. Die Wärmepumpe bleibt die effizienteste, kostengünstigste und umweltfreundlichste Lösung für den Austausch einer Elektroheizung - vorausgesetzt, das Haus ist saniert.
M Hirsch
Februar 18, 2026 AT 22:59Endlich mal ein Artikel, der nicht nur die Vorteile zeigt, sondern auch ehrlich sagt, wann es sich nicht lohnt. Ich hab vor 2 Jahren gewechselt – und ja, die 18.500 Euro waren erstmal ein Schlag ins Gesicht. Aber seitdem zahle ich nur noch 110 Euro im Monat. Die ersten 6 Monate war ich am Verzweifeln, weil die Heizkörper kalt geblieben sind – bis ich endlich den Fachmann gerufen hab. Jetzt läuft alles wie geschmiert. Wer’s macht, macht’s richtig. 💪